augenblick

Plötzlich trifft der Augenblick den Stein. Hypnotisch umschließt ihn die Hand und nur die Hutschnur fragt wieso. Geschmeidig gleitet er in die Umhängetasche.Zwei Bier am Kiosk später, versteht auch der Beutelbehängte den Grund für den Moment und weiß zugleich wie es jetzt weitergeht.Er schaut sich um und noch einmal die Laterne an und sagt halblaut zu sich: „Felsen findet Heimat“ Er lächelt. Schon nestelt er den Stein aus der Tasche, packt fest zu, wirft und trifft. Die Scherben prasseln herab. Er zückt seinen Fotoapparat und fängt die Sekunden ein. Das Seelentattoo materialisiert, wartet er beschwingt auf die Straßenbahn, während sein Plan immer weiter Raum greift. Er schaut sich um. Um ihn herum starrt alles aufs Handy. Keiner sieht sich an, keiner spricht. Nur zwei kleine Kinder spielen mit einem Luftballon, bezeugen das gelebt wird. Die Augen treffen sich und blinzeln dem Moment entgegen. Seine Haltestelle wird ausgerufen. Jetzt noch den kurzen Weg und die Wohnungstür aufschließen. Das riesige Paket, dass er für die Nachbarn angenommen hat (was mag in ihm wohl verborgen sein?) blockiert die Eleganz. Er schlüpft durch den Spalt.Die Musikanlage ertönt noch bevor er seine Jacke ausgezogen hat.Ohne Melodien ist er nichts, die Liebe der Töne, seine Freude.Doch nun wabern sie dumpf. Blass, weil der Schmerz seiner Sehnsucht und die Einsamkeit und die verlorene Wärme die ihm die Seelengefährtin einst liebevoll gab im Gedankenroulette vibriert. Wabert und vibriert.Sein Ich sieht ihn traurig aus dem Spiegel an, als er sich mechanisch die Hände wäscht.Nein diese Zeit ist nicht sein wärmster Mantel, beileibe nicht.Alles was er im Jetzt tut ist Ablenkung. Hier und dort und der Augenblick vor der Bahnfahrt. Divine, der Knall, das Klirren, die Scherben…lebendig, viral…Er setzt sich an den Tisch, au Mann wie ging das nochmal? Ein Papierboot falten? Endlich hat er die Kniffe wieder raus. Jetzt noch der Stift.Die Botschaft ist schnell aufgeschrieben, der Fotoapparat an den Computer angeschlossen, die Weile auf Papier gebannt…Er läßt die Musik laufen, das Licht angeschaltet, schnappt sich das Fahrrad, läuft die Treppen runter, hört die Haustür hinter sich ins Schloß fallen, fährt an den Fluß und setzt zitternd das gebastelte Schiff ins Wasser. Das Foto und die Botschaft, verkleinern sich stetig.Pixel, Pixel Richtung Horizont…100tausend Sekunden später tauchen auf Facebook erste Fotos von eingeworfenen Laternen auf. Von Papierbooten und Steinen.Er lächelt…die Botschaft zugestellt……ein schöner Moment.

8.8.16 19:31, kommentieren